Die Geschichte des Gegenstands #7

Mein North Face Rucksack - unzerstörbar? von Misael Morant

Ich behandle meine Sachen (meistens) gut sodass sie ein langes und erfülltes Leben bei mir geniessen können - so auch mein North Face Rucksack, der leider frühzeitig aus dem Leben, also aus meinem Leben muss man sagen, schied.

Ich könnte jetzt alle meine Rucksäcke aufzählen die ich in meinen 30 Jahren besass... und ich maches es auch, da wir immernoch in Quarantänte sind und einige Leute sich langweilen (wie schafft ihr das?? ich habe sooooo viel zu tun und ich arbeite nicht einmal...). Also, unsere Reise beginnt im Jahre 1996, ich komme in die erste Klasse - mein Rucksack hat Snoopy drauf. (Das sind schon alle Erinnerungen an diesen Rucksack).

Einige Jahre später wechselte ich zu einem Invicta - jeder hatte so einer. Einige Dienstjahre später kam der Dakine, ich schätze im 2004 oder 2005 und das war DER BESTE Rucksack den ich je hatte! Der hatte viel Platz, hatte Aussentaschen um Flaschen reinzustecken und war super stabil. Das war mein ständiger Begleiter (das erste Foto stammt aus dem Jahr 2005 (Kanti Wettingen), habe ein Filmchen gefunden und ein Screenshot gemacht / das zweite Foto stammt aus dem Jahr 2013, da sieht er immernoch gut aus).

Als beim Rucksack die Nähte aufgingen, habe ich ihn einfach mit Sicherheitsnadeln geflickt. Dies ging lange gut, jedoch vergrösserte sich das Loch ständig sodass ich mir eingestehen musste, dass ich einen neuen Rucksack brauche. Also kaufte ich mir einen roten Billabong Rucksack (es war mir zu schade den Dakine zu entsorgen, der war noch bis 2018 am Leben... dann habe ich in einäschern lassen... er hatte ein langes Leben). Der Billabong war leider nicht so praktisch wie der Dakine, aber immerhin hatte er keine Löcher.

Dann - wir schreiben das Jahr 2016 - fand ich den North Face Rucksack in einem Second Hand Shop in Japan. Ohne zu zögern kaufte ich ihn und ich hatte lange Freude an ihm. Zwar war er nicht so praktisch wie der Dakine (ich finde die Seitentasche für Flaschen wirklich unglaublich praktisch), dafür war er aber Wasserdicht (sorry Dakine, das war deine Schwäche). Somit hatte ich einen treuen Begleiter für die nächsten Jahre.

Vor einem Jahr dann der Schicksalsschlag: Zu dritt waren wir mit dem Zug unterwegs von Schottland nach Irland. Wir beschlossen einen Reiseproviant zu kaufen: Brot, Aufstrich, eingelegte Tomaten, Süssigkeiten. Wir assen einen Teil im Zug, verräumten anschliessend die Sachen und genossen die schöne Aussicht. Als wir am Hafen ankamen und ich meinen Rucksack nehmen wollte, bemerkte ich, dass etwas nicht stimmte - unter meinem Rucksack schien es feucht zu sein. Oh Schreck - das Öl ist ausgelaufen als ich den Proviant zurück in den Rucksack schob! Ich bin wohl nicht der hellste Stern am Himmel... mit einer schlechten Laune traten wir die Überfahrt nach Irland an. Beim Airb'n'b angekommen fragte ich, ob ich die Waschmaschine brauchen darf und erzählte das Drama um das Öl. Netterweise durfte ich meinen Rucksack (und auch meine Jacke, die hat es nämlich auch erwischt) waschen. Natürlich wartete das nächste Malheur gleich um die Ecke.

Als ich den Rucksack rausnahm sah ich, dass der Schriftzug beschädigt wurde - anscheinend war es zu heiss in der Waschmaschine (evt war es auch der Tumbler, ich kann mich nicht mehr recht daran erinnern, habe dieses unschöne Reisekapitel irgendwo in die düsteren Ecken meines Gehirns verschoben). Das beste an der Sache: Der Rucksack war nicht sauber! Es hatte immer noch Öl im Rucksack...

Für die restlichen Reisetage habe ich also eine Plastiktüte in meinen Rucksack gesteckt, damit die Sachen nich ölig wurden.

Als ich wieder zu Hause war, habe ich den Rucksack x-mal gewaschen - es wurde zwar immer sauberer doch noch immer war ein bisschen Öl vorhanden. Schliesslich holte ich meinen Billabong Rucksack hervor und benutzte ihn für die nächsten Monate. Der North Face wartete geduldig auf einen Einsatz. Der kam dann schliesslich im Dezember: Da ich nicht viel Gepäck nach Südostasien mitnehmen wollte, nahm ich den dreckigen Rucksack mit (30 Liter Inhalt sollten ja genügen für einige Monate). Alles nötige Material hatte gut Platz drin, natürlich durften die Plastiksäcke nicht fehlen (ja, ein kleiner Teils des Öls ist immernoch da) (Foto aufgenommen am 2. Januar 2020).

Der Rucksack begleitete mich viele Tage durch viele Länder und als ich dann in sein Heimatland kam (Japan für die Goldfische unter euch), fand ich einen ebenbürtigen Ersatz - natürlich war es wieder ein North Face Rucksack und natürlich fand ich ihn in einem Second Hand Laden. Ich konnte es kaum fassen, dass er NEU war und anstatt 160.- nur 110.- war (ich kann mir bis heute nicht erklären warum der im Brocki war...).

Nun habe ich zwei fast identische Rucksäcke, einer mit Öl und einer ohne. Zwei gleiche Rucksäcke kann ich nicht gebrauchen, daher werde ich mich vom öligen Gefährten trennen müssen und ich hoffe, dass er trotzdem noch einige schöne Reisen erleben darf :)